KI-gestützte Planung für fenestrierte PMEG
Die Planung bleibt einer der anspruchsvollsten Schritte bei der komplexen endovaskulären Aortenreparatur. Im Gegensatz zur Standard-EVAR erfordert die fenestrierte Reparatur eine präzise Ausrichtung zwischen jeder Prothesenfensterung und dem entsprechenden Zielgefäßostium.
Dies beinhaltet die genaue Bestimmung sowohl der longitudinalen Position entlang der Aorta als auch der Position auf dem Zifferblatt. Selbst geringfügige Abweichungen können zu schwierigen Kanulierungen, suboptimalen Winkeln der Bridging-Stents oder einer beeinträchtigten Langzeitstabilität führen.
Das Problem der anwenderabhängigen Planung
Derzeit ist die Planung anwenderabhängigund beruht auf der persönlichen Erfahrung des jeweiligen Anwenders mit Planungssoftware und der CT-Auswertung. Unabhängig von der Expertise des Planers schleichen sich immer eine Vielzahl kleiner Fehler in die Messungen ein.
Auch wenn erfahrene Anwender eine hohe Konsistenz entwickeln, lässt sich die Variabilität nie vollständig eliminieren. Kleine Unterschiede bei der Mittellinienorientierung, der Interpretation des Ostiums oder der Korrektur der Angulation führen zu kumulativen Fehlern.
Wie KI die Planung komplexer EVAR tatsächlich verändert

KI-Unterstützung bietet zwei konkrete Vorteile:
- Sie begrenzt Fehler und das Risiko einer Fehlplatzierung der Fensterung während der Planung, indem sie die manuellen Messentscheidungen des Anwenders durch konsistente, reproduzierbare Messwerte ersetzt.
- es reduziert maßgeblich den Zeitaufwand für die Planung – ein Arbeitsablauf, der heute bei komplexen Fällen Stunden der CT-Analyse in Anspruch nehmen kann.
KI-gestützte Planung – Ein tiefgreifender Wandel
Prof. Piazza geht weiter, als KI nur als bloßes Hilfsmittel zu bezeichnen. Seiner Ansicht nach stellt die KI-gestützte Planung einen tiefgreifenden Wandel in der Herangehensweise an vaskuläre Fälle dar – nicht, indem sie den Arzt ersetzt, sondern indem sie seine Rolle aufwertet.
Anstatt Zeit mit der technischen Arbeit des Markierens und Messens in einem DICOM-Viewer zu verbringen, verlagert sich der Beitrag des Chirurgen nach vorne: hin zur klinischen Entscheidungsfindung, anatomischen Strategie und Fallauswahl. Die KI übernimmt die Vorarbeit, damit sich die Ärzte auf das Wesentliche konzentrieren können.
Ergebnisse des SPHERE-Registers

Mit dem SPHERE-Register und der Standardisierung der Planung wird das Risiko einer postoperativen Fehlpositionierung deutlich verringert. In der Praxis bedeutet dies einen erfolgreichen Zugang und die Überbrückung der Fenestrierung in allen Fällen – jedes Zielgefäß wurde kanüliert, jede Überbrückung abgedeckt und der Stent in einem günstigen Winkel platziert.
Darüber hinaus besteht eine geringe langfristige Instabilität, da die Fenestrierungen präzise am Ostium des Zielgefäßes sitzen, was die geometrische Voraussetzung für eine dauerhafte Abdichtung und Offenheit der viszeralen und renalen Äste darstellt.
Vision für PMEG mittels KI
Die Zukunft liegt darin, die Software direkt in die Hände der Ärzte zu legen – als App oder im Browser. Der Arbeitsablauf wäre einfachLaden Sie das präoperative CT hoch und erhalten Sie innerhalb von drei bis vier Minuten einen vollständigen Bericht darüber, wo die Fenestrierungen im Stentgraft platziert werden müssen.
Für ein Verfahren, das heute zu den zeitaufwendigsten Planungsworkflows in der Gefäßchirurgie zählt, ist dies eine bedeutende Veränderung bei der Durchführung komplexer Aortenreparaturen.
Workflow neu gedacht mit PrediSurge
Der in Zusammenarbeit mit PrediSurge entwickelte Workflow reduziert die Aufgabe des Operateurs auf zwei klinische Entscheidungen:
- Wo der Stentgraft in der suprarenalen oder suprailiakalen Aorta platziert werden soll,
- Welcher Durchmesser für den Stentgraft verwendet werden soll.
Allein auf Basis dieser beiden Eingaben berechnet die automatisierte Software die exakte Position jeder Fenestrierung – sowohl die vertikale Länge (kraniokaudale Position entlang des Graft-Körpers) als auch den lateralen Abstand (Position auf dem Ziffernblatt um den Umfang herum).
Besonders wichtig bei komplexer Anatomie: Das Tool berücksichtigt aortenspezifische Faktoren, die das Entfaltungsverhalten in der Praxis beeinflussen: Angulationen entlang des viszeralen Segments sowie Durchmesserunterschiede zwischen der suprarenalen und der pararenalen Aorta – ein Faktor, der insbesondere bei Patienten mit konischen Hälsen, asymmetrischer paraviszeraler Dilatation oder einer signifikanten Verjüngung der Aorta in der Zielzone relevant ist.